Die Himmlische Hierarchie“ nach Dionysios Areopagita

Das Universum ist eine „Hierarchie“ unendlich vieler Bewusstseinsdimensionen, unter denen der Kosmos (unsere Welt) nur eine ist. Kosmos ist jener „materielle“ Frequenzbereich, der im Gegensatz zu allen anderen existierenden Frequenzbereichen des Universums für den Menschen einzig wahrnehmbare ist. Von diesen unterschiedlichen Bewusstseinsdimensionen, die im Universum in einer hierarchischen Struktur angeordneten sind, hat Areopagita eine faszinierende Darstellung erstellt, wie sie gerade noch dem menschlichen Verstehen zugänglich ist. Es ist die bedeutendste Offenbarung nach den Evangelien. Areopagita offenbarte mit der Darstellung der himmlischen Hierarchie des Universums ein spirituelles analoges Prinzip, welches sich in der„Sancta Ecclesia“ als Vorlage für das sichtbare System der Kirche auf Erden abbildet.

Dionysius beschreibt erstmals dieses hierarchische Prinzip als „beseelte Gestalt“ einer in sich kreisenden Schöpfung unendlicher Bewusstseinsdimensionen, in deren Bewegung sich das ausfließende Licht zur Materie verdichtet, um sich zurückfließend wieder zum Licht der Ideen aufzulösen. Ausgehend vom immateriellen göttlichen Zentrum bis hin zur „Peripherie“ des materiellen Kosmos durchläuft darin die Liebe in einem ewigen Kreislauf einen sich unendlich verwandelnden Prozess von Manifestationen. Es ist die ureigenste Bewegung der Liebe, die zugleich im Abstieg des Geistes alle Gestalten der Schöpfung für sich als unabdingbares Liebesobjekt erschafft. Um diesen ewigen Kreislauf zu vollenden, erfahren alle Manifestationen wieder eine Auflösung und Transparenz in einem rückführenden Wiederaufstieg des Geistes aus der Materie ins Zentrum. Das bedeutet, dass das, was zur Materie verdichtet wurde, sich wieder zum Licht der Ideen auflösen muss.

In dieser Kreisbewegung des Geistes ist der Kosmos jene höchst mögliche Verdichtung des Lichtes zur Materie und bedeutet eine Art Wendepunkt innerhalb der Hierarchie, um von da an über die Auflösung alle entstandenen Manifestationen den Wiederaufstieg zu beginnen und alle manifesten Strukturen spiegelbildlich wieder als Ideen in den Geist zurückzuführen. Albertus Magnus hat zum Prolog der „Himmlischen Hierarchie“ des Dionysios Areopagita diesen Grundgedanken einer in sich kreisenden Bewegung mit folgenden Worten umrissen: „An den Ort, von dem die Flüsse ausgehen, kehren sie zurück, um wiederum auszufließen.“ Gott ist der Ort, von dem alles Seiende ausgeht; denn alles, was ist, hat Gott erschaffen, um dem Dasein Anteil am göttlichen Sein zu geben und es dadurch in alle Ewigkeit wieder zu sich zurückzuführen. Ganz ähnlich sieht es auch die heutige Physik: Nach A.Wheeler[1] ist „Das Universum ein sich selbst erzeugender Kreislauf, wobei die Irreversibilität das Merkmal des gesamten Universums ist.“ Mit anderen Worten ergießt sich der Geist in Form von Lichtenergien zur Manifestierung ins Universums, und danach erfolgt eine zunehmende Verdichtung, die sich als ein hierarchisch geordnetes Universum manifestiert. Dieser Abstieg des Geistes mündet im Kosmos als größter Verdichtung in der Materie. In diesem symbolischen „Abstieg der Engel“ aus der Einheit des Zentrums in die unendliche Vielheit des Universums erfahren „Allseele und Allgeist“ eine dieser Vielfalt entsprechende Verwandlung und legen sich in den vielen Bewusstseinsdimensionen immer neue Gestalten zu. Im materiellen Kosmos findet letztendlich diese absteigende Bewegung ein vorläufiges „Richtungsende“, indem sie eine Art Umkehr zum Wiederaufstieg, quasi eine „Rückspiegelung“ der Liebe Gottes erfährt, um wieder ins geistige Zentrum Gottes aufsteigen zu können und darin aufgelöst zu werden.


[1] Wheeler,J.A. Geometrodynamics 1962