„In den eigenartigen kohärenten Zuständen von „Wellenpaketen“ gilt für die Quantenphysik die sogenannte „Unschärferelation“: Es ist die Vereinigung unvereinbarer Gegensätze zu einer neuen höheren Einheit. Kohärente Zustände liegen dabei mitten zwischen „Teilchen- und Wellenaspekt“. Dieses Prinzip gilt auch für die Erschaffung des Universums: Schöpfung ist auch ein „Prozesshaftes-Gleichzeitiges“ und insofern zugleich Einheit und Trennung der Liebe als Liebe in der Ausschüttung der Urenergie einerseits und der manifestierten Schöpfung als ein zu Liebendes andererseits. Die Liebe in der Ausschüttung ist das „Chaos“, das die Weisheit als Ordnung in sich enthält. Die Weisheit ist die im Chaos noch nicht erkennbare Ordnung und zugleich der Wille zur Gestaltung. Ohne Ausschüttung keine Ordnung, ohne Ordnung keine Schöpfung: Gott ist beides. Es ist jene „Unschärferelation“ zwischen Teilchen und Welle – beide sind untrennbar Getrennte. Reine Wellenhaftigkeit gibt es ebenso wenig wie reine Teilchenhaftigkeit, denn beide sind ineinander verflochten und rückgekoppelt, können aber einander nie völlig vernichten“.[1]

Die modernen Wissenschaften am Scheideweg

Die Naturwissenschaften haben sich bisher auf den beobachtbaren und messbaren, bzw. theoretisch erforschbaren Teil unserer Welterfahrung beschränkt, um als exakte Wissenschaften bestehen zu können. Die Sinnfrage und die Frage nach metaphysischen Zusammenhängen blieb dabei immer den Geisteswissenschaften vorbehalten. Seit Beginn der modernen Naturwissenschaften (Kopernikus, Galilei, Newton) bis zu Beginn des 20. Jh. funktionierte diese Aufteilung zunächst mit Gewinn für beide Seiten: Denn zu Beginn der Neuzeit lösten sich beide – Naturwissenschaften wie Geisteswissenschaften – von der bis dahin geltenden Zensur durch die Kirche; und erst von da an galt de facto (wenngleich nicht immer de jure) die Freiheit von Forschung und Lehre zur exakten Befragung und Beschreibung der physischen Welt (Natur) einerseits und zum philosophisch-weltanschaulichen Pluralismus in der Beantwortung der Sinnfrage andererseits.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. allerdings – mit Einsteins Relativitätstheorie und Heisenbergs Unschärferelation und mit der Entdeckung des subatomaren Mikrokosmos – gelangte die Physik an die Grenzen des „rein Materiellen“, denn Materie musste von jetzt an als Energiezustand und als komplizierte Balance von Kräften angesehen werden. Und damit wurde jene etablierte Aufgabenteilung hinfällig. Seit der Unschärferelation von Heisenberg lassen sich Geist und Materie nicht mehr sauber trennen, und die exakte Erforschung der Welt ist einer Wahrscheinlichkeit von Zuständen gewichen.

Seit dem geht es darum, die beiden korrespondierenden Aspekte „Geist und Materie“ als einander bedingende zu erkennen, um die Beziehungen zwischen Geist und Materie neu zu formulieren, und das bedeutet, die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft selbst mit der Sinnfrage zu konfrontieren und darüber die bisher der Philosophie und Theologie überlassene Sinnfrage in einem neuen, zeitgemäßen Horizont zu stellen. Denn vor dem Hintergrund der Sinnkrise unserer Gegenwart kann eine selbstbezogene mechanistische Naturwissenschaft genauso wenig noch überzeugen wie auf der anderen Seite eine Religiosität, bzw. philosophische Weltanschauung, welche die Erkenntnisse einer erweiterten Physik ignoriert. Dass beide Seiten mehrheitlich sich noch immer der im jeweils anderen angebotenen Erweiterung ihres Gesichtsfeldes verschließen, macht doch die Sinnkrise unserer Gegenwart eigentlich aus! So ist die Naturwissenschaft heute zu der Entscheidung aufgefordert, ob sie die „Unschärfe“ zwischen Geist und Materie mit allen Konsequenzen in ihr Denken einbeziehen will oder ob sie sich unter dem aufrecht erhaltenen Anspruch der Exaktheit dem anstehenden Diskurs entzieht. Genau dies tut sie, wenn beispielsweise die Physik Antworten auf die Frage nach der Entstehung des Kosmos nur innerhalb der Grenzen ihrer eigenen kosmologischen Theorien sucht.

Als eindringlicher Beleg für eine solche Forschung, die in eine Sackgasse führt, kann das folgende Beispiel gelten:

Im September 2008 hat man ein ca. drei Milliarden-Experiment mit einem Teilchenbeschleuniger gestartet, um Erkenntnisse über die Entstehung des Kosmos zu gewinnen. Dieser Ansatz ist völlig verfehlt und schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil das Entstehen der Schöpfung kein im Kosmos messbarer oder ablesbarer Vorgang sein kann. So hat die Erforschung der S-Matrix[2] innerhalb der Quantentheorie bereits erwiesen, dass die Suche nach den Grundbausteinen des Universums innerhalb des Kosmos, so wie sie in der reduktionistischen Wissenschaft noch immer betrieben wird, erfolglos sein muss. Die gesuchten „materiellen“ Grundbausteine gibt es nämlich gar nicht, weil Materie und Geist nur zwei verschiedene „Aggregatzustände“ in einem übergeordneten Ganzen sind. – Und das bedeutet: Innerhalb des Kosmos ist dessen Ursprung niemals zu finden. Dieser Ursprung liegt vielmehr jenseits dessen, was innerhalb des Kosmos existiert, denn innerhalb der Welt der Erscheinungen ist die Ursache dafür nie auffindbar!

Ursache und „Erstbeweger“ ist der Weltwille, und dessen erster Ausfluss ist eine Urstrahlung, die in die Sphäre des Absoluten gehört und als Grundursache nicht weiter hinterfragt werden kann. Denn wenn wir vom Absoluten sprechen, versagen alle wissenschaftlichen Vorstellungen und Messungen. Das Licht als Urphänomen ist eine erste wahrnehmbare Wandlung des Absoluten und ist aber auch nur ein Ausschnitt einer größeren Energieskala. Darauf weist die „Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit“ im Kosmos deutlich hin.

Allerdings ist die Ausgießung des Lichtes, die in der Tat alle Keime der gesamten Schöpfung enthält, das Mittel, Reingeistiges in die Sichtbarlichkeit einer Schöpfung hinein zu ermöglichen. Darum ist es notwendig, über die physikalischen Bedingungen auf der Erde hinaus immer an den ganzen Schöpfungsvorgang zu denken, der nicht nur als ein materieller Prozess verstanden werden darf, sonder vielmehr als ein geistiger, der sich lediglich in der Materie manifestiert. Dabei geht es um die Verbindung von Energien und Gedanken, denen gleiche Strukturmuster zugrunde liegen: Denn Energien enthüllen in der Manifestation den Sinn der in ihnen wirkenden Ideen, wobei der göttliche Plan Gestalt annimmt.

Die für unsere Dimension gültigen Beobachtungen und Messergebnisse zeigen dabei nur einen sehr begrenzten Ausschnitt. Zwar ist das Licht bereits ein Geschaffenes und doch auch noch ein Geistiges. Die weitere Entwicklung des Lichtes ist dann seine Materialisierung. Gedanken und Energie sind dabei sich gegenseitig bedingende. Insofern sind auch die physikalischen Gesetze für alle gedanklichen Umsetzungen mitbestimmend. Aber viel entscheidender ist das Wissen um die gesamte Skala aller Frequenzbereiche.

Aus: „Unschärferelation von Geist und Materie“ Smigelski / BoD 2008


[1] Werner von Heisenberg: „Reine „Wellenhaftigkeit“ gibt es in Wirklichkeit ebenso wenig wie reine „Teilchenhaftigkeit“. Beide sind ineinander verflochten und rückgekoppelt, können aber einander nie völlig vernichten.“
[2] S-Matrix: 1943 von Heisenberg als axiomatische Streuungstheorie eingeführt; es ist ein Teilgebiet der axiomatischen Quantenfeld-Theorie und der Versuch, zentrale Eigenschaften der S-Matrix wie Unitarität axiomatisch festzuhalten.

 

Literatur:

  • Werner Heisenberg / “Physics and Beyond” / New York 1971
  • Max Planck “Where is the Science going?” New Yorl 1932
  • H. F. Krause „Der Baustoff der Welt“