Jeder Gedanke sucht seine Verwirklichung

Gedanken sind Energien. Energien, die wir aussenden, in dem Moment, an dem wir sie denken. Wenn wir planen, wenn wir unsere Vergangenheit Revue passieren lassen, wenn wir uns vorstellen, uns an jemandem zu rächen, wenn wir uns vorstellen, wie dankbar uns jemand sein sollte, wenn wir ihm einen Gefallen tun wollen, aber auch wenn wir beten.

Wenn wir diesen Leitsatz ernst nehmen – „Jeder Gedanke sucht seine Verwirklichung“ – muss uns klar sein, dass unsere Gedanken insofern ein Eigenleben führen, als dass sie danach streben, umgesetzt zu werden. Wer seine Gedanken, Vorstellungen oder Wünsche nicht selbst umsetzt, sie aber immer wieder durchgeht, gibt diesen Gedanken immer mehr Anreiz, seine Umsetzung anderswo – also durch eine andere Person – zu suchen. Man kann daher aus diesen Leitsatz einen weiteren Leitsatz direkt ableiten:

Jeder Gedanke sucht sich einen Träger, der ihn umsetzen soll

Nicht ausgelebte Gedanken des Zornes, der Wut oder der Rachsucht sind dazu veranlasst, ihre Umsetzung in Personen zu finden, die selbst zwar nicht unbedingt genau diese Gedanken haben, jedoch zu schwach sind, diesen Reizen zu widerstehen. Sie führen dann im extremen Fällen zu Gewalttaten, zu denen die Täter selbst keinen richtigen Bezug haben und auch keinen rationalen Grund nennen können, weshalb sie es getan haben.

Die Kehrseite dieses Leitsatzes ist, dass positive Gedanken einen ebensolchen Einfluss haben. Wenn wir für einen geliebten Menschen beten, ihn Kraft wünschen, wird sich dieser Gedanken in genau diesen Menschen zu verwirklichen suchen. Eine Einschränkung gibt es dabei. Solche Gedanken müssen wahrhaftig, ehrlich sein. Wenn man sich etwas wünscht, man aber weiß, dass es nicht möglich ist oder man glaubt, dass man es nicht verdient hat, so kann dieser Gedanken nicht verwirklicht werden. Stattdessen fällt er auf uns zurück. Solche Gedanken streben nach ihrer Umsetzung, können aber nicht verwirklicht werden. Da sie auf uns zurückfallen, führen sie zu Blockaden in unserem Denken, Fühlen und Handeln. Sie führen zu Stauungen im Körper – im schlimmsten Fall zu Krankheiten.

Es ist der Gedanke hinter dem Gedanken, der stiftende Gedanke, der beherrschend wirksam wird

Wenn wir uns etwas wünschen, sucht sich indes nicht der Wunschgedanke verwirklicht zu werden. Es ist tatsächlich der Gedanken dahinter. Hinter jedem Wunsch steht ein Gedanke sozusagen Pate, der einen Mangel kennzeichnet. Das ist der Gedanke, der nun nach seiner Verwirklichung strebt. Wenn wir uns von etwas mehr wünschen, weil wir es nicht haben, so werden wir es erleben, dass wir immer weniger haben. Das machtvollste Gebet ist daher ein Dankesgebet. Wenn wir uns für etwas bedanken, das wir bereits haben (und es auch ehrlich meinen, also ein wahrhaftiger Gedanke ist), so wird dieser Verwirklicht. Und man wird erleben, dass man mehr davon hat.

Wie kann man aber für etwas danken, von dem man weiß, dass es nicht vorhanden ist?
Glaube.

Man sagt nicht umsonst: Der Glaube versetzt Berge.

Was ist also der Fazit? Wir müssen mit unseren Gedanken genauso sorgsam umgehen, wie mit unseren Taten, sozusagen Gedankenhygiene betreiben. Doch wie kann man negativen Gedanken entgegenwirken?
Dazu hilft eine schonungslose Selbsterkenntnis, die zur Folge haben wird, dass wir erkennen, dass wir selbst für unsere Misere verantwortlich sind. Vor allem aber, was die Ursachen (in unseren Gefühlen, Vorstellungen und Wünschen) sind. Und das ist bitter.