Der Frühling bricht an. Diese Jahreszeit steht für den Neuanfang. Kräfte ordnen sich neu und richten sich aus. Der Schöpfungswille, die Kreativität und die inspirativen Kräfte werden verstärkt angeregt. Wir können diese Gelegenheit nutzen, um uns selbst neu auszurichten. Den „Frühjahrsputz“ kann man auch auf sich selbst anwenden, indem man sich seine Haltungen und Einstellungen wieder bewusst macht. Dabei haben wir die Möglichkeit, sie neu auszurichten, bzw. auch gänzlich aufzulösen.

Jenseits des Frühlingsanfanges befinden wir uns auch in einer weiteren Phase des Neubeginns. Dieser Neubeginn findet im Bewusstsein statt. Nach Jean Gebser, einem deutsch-schweizerischen Philosoph und Ken Wilber, einem US-amerikanischem Autor, befinden wir uns in einer Umbruchzeit des Bewusstseins. Hier findet auch eine Neuausrichtung statt. Dabei spielt die Intuition eine sehr wichtige Rolle. Das übergeordnete Thema dieses Wandels ist die Bewusstwerdung. So werden unbewusste Prozesse in uns sichtbar. Es wird offensichtlicher, was unsere Motivationen im täglichen Tun sind.

Zoev Jho benennt in ihrem Buch „E.T. 101“ die „Zeitkompression“ als ein damit zusammenhängendes Phänomen. Man hat im Alltag das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht. Man könnte es auch so formulieren, dass sich unsere Zeitwahrnehmung immer mehr auf die Gegenwart konzentriert. Das Bewusstsein richtet sich auf den Augenblick aus. Fernöstliche Lehren beziehen sich schon lange darauf. So z.B. im Buddhismus, Zen, oder Yoga. Die Glückseligkeit wird erst im Moment erlebbar. Es ist die Befreiung aus dem kausal-orientierten, zeitlichen Denken. Dieses Denken ist in Erinnerung am Gewesenen und plant die Zukunft. Dabei fühlt man aber von der Vergangenheit eingeholt oder von Ängsten über die Zukunft geplagt. Diese Kompression fühlt sich nun so an, als ob die Zeit immer schneller vergeht. Die Reaktion des Ego ist, dem entgegenwirken zu wollen. Das führt schnell dazu, dass man der „Zeit hinterherrennt“, man hetzt sich, füllt seine Terminkalender bis zum bersten, stürzt sich ins Chaos.

Dieser zweite „Frühjahrsputz“, der im Bewusstsein stattfindet und sich auf die Gegenwart ausrichtet, birgt aber auch große Potentiale: Wir erhalten so die Möglichkeit, uns zunehmend den Moment zu erleben; im Augenblick präsent zu sein. Ebenso entsteht in uns eine höhere Erkenntnisfähigkeit. So sind wir eher in der Lage, die allgemeinen Zusammenhänge zu erkennen. Wir sehen die Dinge nicht mehr nur punktuell, sondern sehen auch die damit in Verbindung stehende Vergangenheit, Ursachen und weitere Wirkungen, die uns vorher nicht bewusst waren, weil unser Fokus festgelegt war. Goethe hatte gesagt „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst“. Im Buddhismus heißt es, „Du selbst bist es, der die Welt erschafft – jeden Augenblick“. Aus der Moderne kommt der Spruch „Energy flows where attention goes“ (frei übersetzt: Die Energie folgt der Aufmerksamkeit). Was wir denken, wird für uns zur Realität. Wenn wir uns nur mit der Vergangenheit beschäftigen, so wird sie für uns zur Realität.

Beschäftigen wir uns mit dem Augenblick, so wird dieser zur Realität und es kann sich eine vollkommen neue, unendlich große Welt eröffnen. Denn dieser Augenblick kann sich ausdehnen zu einer Zeitlosigkeit, denn es gibt dann keine Zukunft und keine Vergangenheit mehr – es ist alles Eins.